Abd al-Rauf Arafat al Qudwa al Husaini

Als er in die Politik ging, änderte er seinen Namen in Jassir Arafat (laut Wikipedia). Die Nachrichtensprecher der westlichen Welt danken es ihm, da bin ich sicher.

Sogar einen der 80er-Jahre-Mode-Auswüchse hat er als Namenspatron geprägt: Das Arafat-Tuch.

Ein anstrengedes Leben hat dieser Mann hinter sich. Keine politische oder moralische Bewertung, eher nüchterne Tatsachenfeststellung. 40 Jahre lang ein Land zu leiten, welches sich im Dauerkriegszustand befindet, ist sicher kein Picknick. Manchmal frage ich mich, ob diese Menschen dort überhaupt noch anders leben können. Wie viele Palästinenser und Israelis sind wohl schon geboren worden, die niemals etwas anderes erlebten als Krieg und die Einstellung, dass der jeweils andere nur im leblosen Zustand und dann auch nur bedingt akzeptabel ist. Wie sollen diese Menschen verstehen, dass man plötzlich nebeneinander, vielleicht sogar miteinander leben kann ohne sich die Köpfe abzuschlagen? Geht das überhaupt von heute auf morgen, seine gesamte innere Haltung (bei einigen vermutlich den Sinn ihres Lebens) zu ändern?

Wie dem auch sei, vergangene Nacht hat man sich jedenfalls dazu durchgerungen, offiziell das Ableben zu verkünden: Arafat ist tot. Ein seltsamer Gedanke. Mein ganzes Leben hat dieser Mann begleitet, wenn auch nur sehr indirekt. Stets war in den Nachrichten irgendetwas über den sogenannten Nah-Ost-Konflikt (welch Euphemismus für brutalen Krieg und noch brutaleres Abschlachten von Menschen) und stets fiel in diesem Zusammenhang der Name Arafat, unzertrennbar verbunden mit den Begriffen Israel und Palästina.

Er wird eine Weile dauern, bis man sich an einen anderen Namen gewöhnt hat, zumal es ja für deutsche Ohren in der Regel ohnehin nicht leicht ist, sich an die arabischen Namen und deren abenteuerliche Buchstabenkombinationen zu gewöhnen. Hoffentlich heißt sein Nachfolger nicht zu kompliziert.

Ähnlich ungewohnt – fällt mir in diesem Zusammenhang ein – klangen die Nachrichten, nachdem die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland vom Bundesdorf in die Spree-Metropole verlegt wurde. Wer erinnert sich nicht noch an Ulrich Wickert und das kurze, knackige: „Bonn. (Kunstpause) Wie aus der Verlautbarung eines Regierungssprechers hervorging, … blabla.“ Wie lasch klingt dagegen: „Berlin. Bundeskanzler Hanswurst Beliebig sagte in seiner Rede: laber, sülz.“ Berlin, das klingt nach Junkies am Bahnhof und zwielichtigen Gestalten in Kreuzberg, nach Unmengen von Bier, nach icke, durchgeknallten Techno-Freaks und Party ohne Ende, wohingegen sich Bonn doch eher ernst anhört, mit ein wenig trostlosem Beigeschmack. Was soll man in einem Provinznest auch anderes machen als sich auf die Arbeit zu konzentrieren? Im schönen neuen Berlin jedoch scheint es mir oft als hätte man im Zuge der Globalisierung, von Neusprech und Multi-Kulti auch die Partei-Schilder internationalisiert. Zumindest ließe sich dadurch einiges erklären, denn von Menschen, die Diäten mit Übermaß und „mehr, mehr, mehr“ assoziieren, nehme ich nicht an, dass sie sich des Teekesselchens von Party bewusst sind. Das Ergebnis ist Politik auf Berliner Weis(s)e – mit Schuss. Nur blöd, wenn man den Knall nicht gehört hat.

Derart vom Thema abgekommen habe ich eine prima Überleitung zu der eher rhetorischen Frage, ob es in Palästina momentan ernsthaft jemanden interessiert, was die Bundesregierung will?

2 Kommentare:

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