Auf dem Markt

Kartoffeln hole ich bevorzugt bei uns auf dem kleinen Wochenmarkt, der vor unserem Esszimmerfenster jeden Freitag stattfindet. Die schmecken einfach viel besser als die aus dem Supermarkt. Die letzten, die wir da geholt haben, waren absolut geschmacksneutral. Daher war heute wieder ein Gang zum Markt fällig.

Es ist lausig kalt da draußen und das Wetter alles andere als einladend, aber ich stapfte los. Unser Markt ist überschaubar, von jedem gibt es nur einen, alles sind regionale Leute und Bio-Zeugs. Ich mag diesen Markt und gehe gerne dort einkaufen. Auch wenn die Schlange am Obst- und Gemüsestand immer lang ist – so auch heute.

Aber dennoch geht es relativ schnell, da arbeiten nämlich eine Menge Leute und die haben auch eine Menge Fachkompetenz.

„Wer ist dran und was darf’s sein?“ Ich reiche ihm meine Tasche rüber: „Ich hätte gerne zwei Kilo Kartoffeln.“ Ich wollte ganz souverän wirken. Ich war ja bei den Kunden zuvor schon ganz fasziniert. Alle kauften Äpfel und während ich da wartete, habe ich eine Menge über Äpfel bzw. die einzelnen Sorten und deren Lagerung gelernt. „Feste oder mehligkochend?“ Ich überlegte einen Moment. Im Supermarkt entscheide ich mich immer für das Mittelding. Er fragte mich, was ich denn damit vorhätte. Das wusste ich aber noch nicht so genau, verschiedene Dinge. Dann meinte er, er hätte auch noch eine, die ein bisschen dazwischen ist und zeigte mir ein Exemplar. „Die ist ein wenig rotschalig“, – „Auch das noch!“, fuhr es mir durch den Kopf, – „Die können Sie aber für alles benutzen, als Salzkartoffel, für Salat und notfalls auch für Pürree.“ Laura heißt das gute Stück. „Ok, dann nehme ich die.“

Während er die zwei Kilo einsammelte und wog, erzählte er mir, dass er auch schon für den Großmarkt produziert hätte. Dort würde man bisweile die Sorten wild durcheinander auf einen Lkw schmeißen. Da bräuchte man sich nicht wundern, wenn die Qualität im Laden dann nicht stimmt. Man bekommt ja nicht, was man eigentlich haben wollte.

„Noch was?“ – „Ja, ich brauche eine Gemüsezwiebel.“ Böse Falle! Ich bekam eine halbwissenschaftliche Abhandlung über Zwiebeln und Lagerung, über Zwiebeln im Allgemeinen und die Gemüsezwiebel im Besonderen. „Ich habe ja keine Ahnung“, gab ich kleinlaut zu, „und kochen kann ich auch nicht wirklich, im Rezept steht halt Gemüsezwiebel.“ Das veranlasste jetzt auch die alten Damen um mich herum mir wertvolle Tipps und Erklärungen mit auf den Weg zu geben. Wir einigten uns darauf, dass ich normale Zwiebeln kaufe, ich entschied mich für drei Stück.

„Brauchen Sie noch etwas?“ – „Nee, ich geh jetzt lieber nach Hause, bevor es noch peinlicher wird. Ich komme dann nächste Woche nochmal wieder.“

Ich trollte mich zum Bäcker. Da war ich wenigstens auf halbwegs sicherem Terrain. Das Schlimme an der Sache: Beim nächsten Kartoffel- und Zwiebelkauf habe ich das vermutlich schon wieder verdrängt. Wie die Apfelsorten heißen und welche davon süßlich und welche säuerlich sind, weiß ich nämlich jetzt schon nicht mehr. Die Küche und ich werden einfach keine Freunde. Beim Bäcker erstand ich zwei Laugenbrötchen und eine der weltbesten Nussecken, dann ging ich wieder nach Hause in meine warme Wohnung.

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