120 Jahre elektrische Tram in Darmstadt

Heute hatte die HEAG mobilo Tag der offenen Tür. Seit 120 Jahren gibt es in Darmstadt elektrische Straßenbahnen, was im Depot am Böllenfalltor gefeiert wurde. Das ist nicht weit weg von unserem Zuhause und da wir uns ja gerne irgendwelches Technikzeugs angucken, sind wir da gewesen.

Um 11:30 Uhr wollte die Berufsfeuerwehr Darmstadt in einer Vorführung zeigen, wie sie eine entgleiste Tram wieder ins Gleis zurück bringt. Das wollten wir unbedingt sehen, weswegen wir schon ziemlich früh dort waren. So früh war noch relativ wenig los.

Ich machte mich zunächst auf die Suche nach einem Kaffee. Bei der Gelegenheit schlenderten wir eine erste Runde über das Gelände. Wir bestaunten den Mäh- und Kehrfuhrpark.

Außerdem konnte man einen Blick in die Waschstraße und die Werkstattgrube werfen.

Da unser Oberbürgermeister sich gerne und ausdauernd vor Publikum präsentiert, verzögerte sich der Beginn der Vorführung allerdings auf 12 Uhr. Die Feuerwehrmänner erklärten zunächst, was gemacht wird. Eine entgleiste Tram war vorbereitet. Mittels hydraulischem Wagenheber wurde sie vorne angehoben und das Drehgestell ausgerichtet. Dann wurde die ganze Tram nach rechts verschoben und anschließend wieder auf der Schiene herabgelassen. Sehr spannend!

Anschließend schauten wir uns die Feuerwehrfahrzeuge noch genauer an. Auch dazu hat man ja sonst eher selten Gelegenheit.

Bei unserer Orientierungsrunde vor der Feuerwehrvorführung hatten wir bereits erfahren, dass man an einer Führung durch die Tram-Werkstatt teilnehmen konnte. Das wollten wir machen. Wir liefen durch die Halle zur Werkstatt. In der Halle, in der heute Biertische standen, Live-Musik spielte, Info-Tafeln und Straßenbahnmodellbahnen standen, stehen normalerweise die Straßenbahnen herum.

Das mit dem Tag der offenen Tür war hier heute wörtlich gemeint.

Am anderen Ende der Halle war der Eingang zur Werkstatt. Um einigermaßen den Überblick zu behalten, wie viele Leute dort herumlaufen, gab es Einlasskontrollen und Eintrittskarten.

Ja, das ist quasi die Eintrittskarte. Die Mitarbeiter am Eingang hatten eine Kiste mit Schrauben. Wenn diese Kiste leer war, durften sie so lange niemanden hinein lassen, bis Besucher die Werkstatt verließen und ihre Schrauben auf dem Weg nach draußen wieder abgaben. So vermied man, dass die Werkstatt unüberschaubar voll wurde.

Im Eingangsbereich standen die Stromrichter und Bremsen der verschiedenen Straßenbahngenerationen, die durch Darmstadt fahren, ausgestellt. Nach etwa 15 Minuten ging unsere Führung los, durchgeführt wurde sie vom Chef der Werkstätten der HEAG. Der machte das wirklich sehr interessant und informativ – und sehr ausführlich, wir wurden zwischendurch von einer anderen Führung überholt.

Eine aufgebockte Tram bekommt man auch nicht alle Tage zu sehen. Und wenn man nicht gerade an einem Straßenbahngleis wohnt, auch keine Tram von oben.

Ein anderes Modell stand hier rum, weil es nach einem Verkehrsunfall repariert wurde. Neue Scheiben mussten eingesetzt werden und man wartete auf einen neuen Holm.

Sehr spannend war das alles und unser Führer wusste auch wirklich interessant und mit vielen Details davon zu berichten. Alle Fragen wurden ausführlich beantwortet.

Mitten in dieser Werkstatthalle neben einem Telephon fand ich Klopfer. Wir nutzten den niedlichen kleinen Kerl für ein Selfie.

An der nächsten Station wurde eine Tram mit Werbung beklebt. Da dies eine Fremdfirma machte, wurde hier auch am Tag der Offenen Tür gearbeitet. Man hat das kurzerhand in die Besichtigungsstationen integriert und zu einem Programmpunkt gemacht. Warum auch nicht, schließlich leben die Verkehrsbetriebe unter anderem auch davon.

Anschließend brachte er uns in den Bereich, wo die Räder hergestellt werden. Wobei mich angesichts der Folterkammer ähnlichen „Dekoration“ auf dem Weg dorthin leichte Zweifel überkamen.

In der Rad-Werkstatt bzw. -Fertigung wurden wir an einen Kollegen übergeben, der dort zuständig ist. Er zeigte uns zunächst die Presse, in der die Radreifen gepresst werden.

Anschließend erfuhren wir, wie die Radreifen auf die Radkörper aufgebracht werden, dazwischen sind dicke Gummiblöcke. Hochinteressant.

Nach diesem Intermezzo ging es in die Bremsenwerkstatt. Dort war es leider zu voll für Photos und wir waren mittlerweile auch am Ende unserer Aufnahmefähigkeit angelangt. Immerhin hatten wir mal eben in einer Stunde gelernt, wie man eine Straßenbahn baut. Und nachdem ich jetzt auch noch über den Aufbau einer hydraulischen Bremse informiert war, es lag nämlich eine komplett zerlegt auf der Werkbank und ich habe jedes dieser schweren Teile einmal in die Hand genommen, mir der Unterschied zwischen aktiver und passiver hydraulischer Bremse nun auch klar war und außerdem der Sauerstoff in dieser relativ kleinen und mit Menschen überfüllten Bremsenwerkstatt knapp wurde, beschlossen wir, etwas zu essen. Es war weit über die Mittagszeit hinaus.

Der Lebensabschnittsgefährte aß irgendein türkisches Ding. Beim Essen beobachteten wir die Versteigerung der Fundsachen, die ebenfalls im Rahmen dieser Veranstaltung stattfand. Erstaunlich, was die Leute alles in der Tram liegen lassen: Eine PS2, ein Tolino, Kopfhörer, Taschen, Rucksäcke, Kinderwagen, Fahrräder, Uhren, Schirme sowieso und Vieles mehr. Ein Fahrrad ging hier für 10 Euro weg. Da kann man schon gute Schnäppchen machen.

Uns war es mittlerweile ziemlich kalt. Den ganzen Tag schon pfiff ein eiskalter Wind. Am Crepes- und Kuchenstand holten wir uns zwei Stücke Kirschkuchen, die wir allerdings mit nach Hause nahmen und dort mit einer heißen Schokolade vertilgten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.