IQ 404

Unsere illustre Familie, bestehend aus einem Lebensabschnittsgefährten, einem Kater, etlichen Litern Fischsuppe, drei Fahrrädern und diversen Computern, die fast alle Namen haben, hat ein neues Familienmitglied bekommen.

May I introduce: IQ 404!

IQ 404 stammt aus erster Hand, hat zwar schon ein paar Jährchen aber nur sehr wenige Kilometer auf dem Buckel und eine scheußliche Farbe. Dafür hat er hübsche Felgen, weswegen er von der Seite dann doch wieder ganz nett aussieht.

Lange Zeit liebäugelten wir ja mit einem Volvo V40. Durch unsere diversen Reisen mit diversen (Fast-Neu-)Wagen hatten wir ein ziemliches Portfolio an durchgetesteten Autos. Und der V40 passte am besten zu uns. An zweiter Stelle lag der Ford Focus TS, was nicht weiter verwundert, wenn man weiß, dass die beiden eine gewisse Verwandschaft verbindet. Aber so wirklich ernsthaft haben wir uns mit dem Gedanken einer solchen Anschaffung nie beschäftigt.

Und dann begannen wir, eine Serie zu gucken, die auf Island spielt. Da war es um uns geschehen. Wir wollen unbedingt mal nach Island! Wir gingen in die Planung des Trips und stellten fest, dass wir ein eigenes Auto brauchen, denn wir wollen uns dort länger aufhalten und die ganze Insel erkunden. Ziemlich schnell war klar, wir brauchen nicht irgendein Auto, sondern eines mit Allrad-Antrieb, denn ohne diesen darf man auf Island nicht überall fahren. Und eine gewisse Bodenfreiheit sollte das Gefährt auch mitbringen. Da es aber außerdem auch stadttauglich sein sollte, kam ein reiner Geländewagen nicht in Frage – zumindest für den Lebensabschnittsgefährten, ich bin da eher schmerzfrei und würde auch im offenen Wrangler-Jeep durch die City cruisen. Aber ich bin ja für meine Kompromissfähigkeit bekannt *hust* und die Gruppe der Allradfahrzeuge ist zudem überschaubar und so einigten wir uns auf einen … es fällt mir schwer, das zu schreiben … wir entschieden uns für einen SUV. Nun ja, in unser Spießer-Ghetto hier passt so ein Vehikel ja gut rein.

Dieser Kompromiss ist nun schon eine ganze Weile her. Der Lebensabschnittsgefährte schaltete eine Suchanzeige bei autoscout24.de und beobachtete fortan den Markt. Nahezu täglich verfeinerte er seine Suche und nervte unterrichtete mich – bevorzugt beim Morgenkaffee – über neu eingetroffene Anzeigen. Außerdem las er dutzende von Testberichten, schaut YouTube-Videos, im Vorfeld hatte er schon Tabellen erstellt, in denen er die Vorzüge und Schwächen verschiedener Allrad-Modelle gegenüber gestellt hatte, nachdem wir uns auf ein Modell festgelegt hatten, ging er ins Detail. Er kannte sich mit Modellvarianten aus, erkannte sofort die Faceliftings und wusste über jede neue Schraube einer neuen Fahrzeuggeneration Bescheid. Er las sogar das Handbuch. Irgendwann war meine Aufnahmekapazität für solche Unwichtigkeiten erschöpft und ich sprach: „Entweder wir machen das jetzt ernst oder du lässt mich in Ruhe damit.“

Am Samstag drauf war eine neue Anzeige von einem Autohändler hier in Darmstadt eingestellt worden und wir wurden aktiv. Wir fuhren zum Autohaus, das sogar noch hier in unserem Spießerviertel eine Zweigstelle hat, und fragten nach einer Probefahrt. Der Verkäufer versuchte erst noch, uns ein paar andere Autos schmackhaft zu machen, merkte aber schnell, dass wir ziemlich genau wussten, was wir wollten und warum und dass er uns nicht davon abbringen konnte. Da der Wagen in einer anderen Zweigstelle stand, mussten wir uns bis Montag 16 Uhr gedulden.

IQ 404 bekam ein paar rote Nummern verpasst und wir machten uns auf den Weg, nachdem die Formalitäten erledigt waren.

Der Lebensabschnittsgefährte fuhr, während ich neben dran saß und mich sofort zuhause fühlte. Wir testeten das Schätzchen auch auf der Autobahn, um einmal richtig Gas geben zu können. Der Wagen hat ein stufenloses Automatikgetriebe, und da wir beide noch nie in so einem Fahrzeug gesessen hatten, wollten wir dann doch wissen, wie sich das anfühlt.

Anschließend fuhren wir zum Autohaus zurück und machten Nägel mit Köpfen: Wir unterschrieben den Kaufvertrag. :)

Ein paar Häuser weiter war die Agentur einer bekannten Versicherungsgesellschaft, wo wir auch noch schnell hingingen, um unser neues Familienmitglied zu versichern. Dann brachten wir dem Autoverkäufer die eVB-Nummer vorbei, fuhren auf unseren Fahrrädern nach Hause und feierten das erstmal. Wobei wir das eigentlich noch gar nicht so richtig glauben konnten, dass wir jetzt doch so schnell ein Auto gekauft hatten.

Freitags war der Wagen fertig (Inspektion, TÜV, Zulassung) und wollte abgeholt werden. Das ließen wir uns natürlich nicht zweimal sagen und trabten um 17 Uhr zum Autohaus. Der Verkäufer wollte uns noch die Bedienung des Autos zeigen und war etwas verblüfft, dass er uns auch hier nichts Neues erzählen konnte. Der Lebensabschnittsgefährte war ja, wie oben erwähnt, gut vorbereitet. Der Verkäufer wünschte uns viel Spaß, Abschieds-Blabla und dann fuhren wir erstmal zur Tankstelle. Das neue Baby hatte Durst.

Wir haben in diesem Monat nicht nur ein Auto, sondern auch ein neues Tablet, ein Smartphone für das darkinchen und mein Klapprad gekauft, außerdem noch den üblichen Kleinkram, mit dem wir Monat für Monat unsere Bude vollstopfen. Beim Tanken wurden wir jetzt geizig und beschränkten uns auf 20 Euro. Das Auto, das mit einem kombinierten Verbrauch von 10 Litern angegeben ist, lächelte nur müde. Ich strich ihm übers Armaturenbrett und meinte, für real,- würde es schon reichen. Denn genau da führte uns unsere erste Fahrt hin. Leider hatten wir nichts Spannenderes vor, als Katzenstreu zu kaufen und bei der Gelegenheit ein Warndreieck und einen Verbandskasten mitzunehmen.

Es wurde Samstag. Frau dark* sprach bereits ein paar Tage zuvor: „Schaaahaatz? Weißt du waaahaas? Wir haben jetzt ein eigenes Auto und können jederzeit zu IKEA fahren. Und weißt du, was das beste ist? Wir haben ein grooooßes Auto und da passt viel rein!“ Und da die Schwiegereltern quasi neben dem IKEA wohnen, ließ sich das Angenehme super mit dem Nützlichen verbinden. Wir stellten unser neues Baby der Familie vor, die sichtlich entzückt war. Auch die Schwester gesellte sich noch zu uns und fuhr auch später mit dem Lebensabschnittsgefährten und mir in ihrem kleinen up! zu IKEA. Allerdings, und das ist mir jetzt fast ein bisschen unangenehm, habe ich außer zwei Warnwesten fürs Auto NICHTS bei IKEA gekauft. Das macht mich auch heute noch etwas sprachlos.

Auf der Rückfahrt öffnete der Himmel seine Schleusen, es begann zu regnen. In der Baustelle, durch die wir fuhren, bremste auf der rechten Spur jemand mit eingeschaltetem Warnblinker unverhältnismäßig stark ab. Oha. Ein Unfall? Beim Nähern sahen wir, dass ein Cabrio-Fahrer sein Verdeck schließen wollte, in der Regel geht das nur unter einer bestimmten Geschwindigkeit. Plötzlich kübelte es wie aus Eimern und die Sicht war weg, um uns herum leuchteten Brems- und Warnbliknklichter auf, die Wischerblätter waren kaum in der Lage, die Wassermassen wegzutransportieren und das Wasser stand auf der Straße. Ich herrschte den Lebensabschnittsgefährten an, dass er sofort langsamer fahren sollte! Wir befanden uns mitten im Frankfurter Kreuz, wo immer viel los ist und alle es eilig haben. Ich hatte nicht wirklich gesehen, ob und was passiert war, nur gemerkt, dass der Wagen teilweise die Bodenhaftung verlor. Das hatte wohl auch ein Fahrzeugführer vor uns gemerkt, denn nachdem ich auf die Geschwindigkeitsreduzierung bestanden hatte, blinkten auch schon diverse Warnblinker vor uns, das vor uns fahrende Fahrzeug wich nach links aus. Auf der Sperrfläche der Autobahnauffahrt war ein ziemlich zerbeultes Fahrzeug zum Stehen gekommen, dem ganz offensichtlich jemand in die Seite gefahren war. Es goss immer noch in Strömen, der Autofahrer wollte sogar die Türe just in dem Moment öffnen, als wir ihn passierten. Glücklicherweise überlegte er es sich anders und zog die Türe wieder zu. Wir hätten nämlich nicht ausweichen können. Anhalten und nach dem Rechten sehen war an dieser Stelle völlig unmöglich. Wir sahen aber, dass am Ende des Beschleunigungsstreifens ein zweites Auto mit Warnblinker stand, in dem keiner mehr drin saß. Der ganze Spuk hat nur wenige Sekunden gedauert, aber ausgereicht, dass einem das Herz in die Hose rutschen kann. Immerhin wäre das beinahe ein recht kurzes Vergnügen mit dem eigenen Auto geworden.

Am nächsten Tag war der der spannendste Teil überhaupt geplant: Frau dark*, die seit ca. 11 Jahren nicht mehr am Steuer eines Wagens gesessen hat, wollte es nun auch mal wieder probieren. Denn das geht ja gar nicht, dass wir ein eigenes Auto haben und ich nicht fahre! Meine Güte, was war ich aufgeregt! Ich hatte mir extra den Sonntag dafür ausgesucht, wenn nicht ganz so viel Verkehr auf Darmstadts extrem engen Straßen herrscht. Nach einer Runde auf dem Parkplatz kurvte ich durch die Tempo-30-Straßen hier in unserem Spießerviertel. Wie früher in der Fahrschule. Nach zwei Runden war ich der Meinung, jetzt etwas schneller fahren zu müssen und verließ Bessungen. Zu guter Letzt ging es dann auch noch ein Stück über die Autobahn. Nach einer knappen Stunde waren wir heil(froh) wieder zuhause angekommen. Und was soll ich sagen: Ich kann’s noch!

Mittlerweile bin ich etwas mehr als 1000 Kilometer gefahren, habe IQ 404 dem Chef in Krefeld und auch dem darkinchen vorgestellt und heil wieder nach Hause gebracht. Die alten – aus Fahrlehrersicht wohl eher schlechten – Angewohnheiten haben sich auch wieder eingestellt. Die Aufregung beim Fahren ist weg und ich habe mich an IQ 404 gewöhnt, sogar an seine Farbe. Ich mag unser neues Familienmitglied. :)

Ein Kommentar:

  1. CorinnaZetzmann-Dyrda

    Oh Schröder!
    Ich werde ganz melancholisch, wenn ich dich Autofahren 🚘 sehe!!!

    Schröder wie sie leibt und lebt!!!….. Und sie ist keinen Veränderungen unterlegen!

    Scheeee!

    ….

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