Labor für angewandtes Kochen

Noch nie haben die Menschen so viel Fertignahrung zu sich genommen – und noch nie sind sie so alt geworden. So lautet das Motto eines bekennenden 5-Minuten-Terrinen-Fans, eines Maggi-Jüngers, eines Fast-Food-Junkies, eines Menschen, dem jegliches Talent zum Kochen fehlt.

Als Teenager war ich schon mehr fürs Essen als fürs Kochen zu begeistern. Außerdem war ich hauptberuflich mit Rebellion und Dagegensein beschäftigt, da war für schnöde Hausarbeit keine Zeit. Und da das Verhältnis zu meiner Mutter eh nicht das beste war, vermieden wir außerdem Aktivitäten, bei denen wir beide scharfe Messer in den Händen halten müssen. Als ich zuhause auszog, konnte ich immerhin selbständig bei McDonald’s mein Essen bestellen.

Mehr als Nudeln kochen und eklig chemisch schmeckende Fertigsoße drüber kippen konnte ich nicht, also unternahm ich erste Küchen-Gehversuche an meinem damaligen Freund. Dessen Lobhudelei gipfelte in der Aussage: „Auch nicht schlimmer als in der Kantine“, was meine Karriere als Sternekoch vorerst wieder beendete. Immerhin lernte ich in dieser Zeit wenigstens von einer Bekannten wie man Spaghetti mit Gorgonzola-Sahne-Soße zubereitet.

Anschließend lebte ich in Hamburg alleine und das ziemlich gut von diversen Fertiggerichten und Fast-Food-Restaurants. Zumindest bin ich weder verhungert noch verfettet. Und als Highlight lernte ich dort von einer Bekannten ebenfalls ein Gericht zuzubereiten: Nudeln mit Hackfleischsoße. (Ich nenne sie zwar meistens Bolognese, aber es ist keine richtige Bolognese.)

Neues Bundesland, neuer Mann und eine neue Bekannte in Form eines selbstgezeugten kleinen Kindes. Der Mann konnte ein bisschen kochen, ein nicht zu unterschätzender Vorteil bei der Partnerwahl! Ich konnte das zwar immer noch nicht, aber das Letzte, das meine Tochter essen sollte, waren die ekligen Breie aus den Gläsern. Die mochte ich selbst noch nie und sie waren bei mir äußerst verpönt. Sobald das Kind weg von der Milch und mit mehr oder weniger bissfester Nahrung konfrontiert werden sollte, kochte ich selbst. Bei Babys ist das recht einfach, denn garen ist ja nicht die Kunst, sondern würzen. Und da Babys vorerst keine Gewürze bekommen sollen, gelang es sogar mir, Kartoffeln, Gemüse und Fleisch zu einem essbaren Brei zu verarbeiten und ins Kind zu stopfen. Und da das Kind noch keine Vergleichskost kannte, war es einigermaßen hingerissen von meiner Kochkunst.

Im folgenden Jahrzehnt schlug ich mich mit meinen zwei bereits erlernten Gerichten, ein paar Basics (Kartoffeln, Spinat und Spiegelei gelingen immer!) und unter Zuhilfenahme diverser Fertigprodukte durch den kulinarischen Alltag – nach Meinung vieler Zeitgenossen mehr schlecht als recht, andere wiederum haben häufig und gerne bei mir mitgegessen. Gelernt habe ich außerdem, wie man Hühnerfrikassee nach Rezept zubereitet und auch Frikadellen gelingen mir recht essbar, Schnitzel panieren schaffe ich auch. Die Lage war also nicht völlig hoffnungslos.

Dann brannte meine Wohnung ab und ich hatte andere Sorgen als kochen, zeitweise sogar andere Sorgen als zu essen. Außerdem lebte ich allein und für eine einzelne Person zu kochen ist nun wirklich kein Vergnügen für einen Küchenmuffel. Fertigpürree, Dosengemüse, Tiefkühlpizza, Nudeln mit Chemie-Soße oder eben der Beutelkram und 5-Minuten-Terrinen aus dem Trockenfutterregal für Zweibeiner sorgten dafür, dass mein Magen gefüllt war und Ruhe gab.

Als ich nach Berlin in die WG zog, kochte Soul die meiste Zeit für uns. Von ihm habe ich gelernt, wie man eine Käsesoße zu Nudeln selbst macht. Dann lebte ich wieder alleine und von Trockenfutter bis die nächste WG folgte, in der der Mitbewohner hauptamtlich fürs Kochen zuständig war. Das änderte sich auch nicht, als wir wieder nach Krefeld umsiedelten und erst recht nicht, als ich wieder zu arbeiten begann. Wenn ich mittags nach Hause kam, stand das Essen dampfend auf dem Tisch. Ein toller Service, der allerdings abrupt endete, als das darkinchen und ich in eine eigene Wohnung zogen. Fortan war Improvisationstalent gefragt, denn mittlerweile hatte ich das meiste von dem, was ich mühsam gelernt hatte, schon wieder vergessen. Und der Spaß am Kochen sowie die Geduld dafür fehlten mir völlig. Die Firma Maggi rettete uns vor dem Hungertod.

Seit ich mir mit dem aktuellen Lebensabschnittsgefährten die Küche teile, … Seit ich in der Küche des Lebensabschnittsgefährten das Kommando übernommen habe, habe ich ab und zu mal die Muße, meine rudimentären Kochkünste einem Update zu unterziehen. Ein gern gegessenes Highlight sind gefüllte Paprika mit Tomatensoße und Reis. Auch ein Gericht, das ich irgendwann einmal via Rezept getestet und für gut befunden habe. Neulich kam ein weiteres Gericht hinzu: Rahmchampignons mit Spätzle. Der erste Versuch war zwar essbar aber nicht unbedingt lecker. Da der aktuelle Lebensabschnittsgefährte in seinem Urteil aber nicht ganz so gnadenlos und vernichtend ist wie seinerzeit der erste, habe ich einen zweiten Versuch gewagt und war recht hingerissen von meiner Kreation.

Allerdings muss ich erwähnen, dass die Spätzle aus dem Kühlregal kommen und nicht selbst gefertigt sind. Im zarten Alter von 14 Jahren, ich wohnte seinerzeit bei Bekannten auf dem Land, so ländlich, dass wir sogar einen Kohleofen zum Kochen hatten, hatte ich einmal die Gelegenheit, drei erwachsene Frauen zu erleben, die einen ganzen Nachmittag damit beschäftigt waren, Spätzle selbst zuzubereiten. Das erschien mir unverhältnismäßig aufwändig und entsprach so gar nicht meiner Vorstellung von dem, was ich eventuell mal als Hausfrau zu leisten bereit und in der Lage sein würde. Offen gestanden hatte ich zu dem Zeitpunkt noch gar keine Vorstellung von mir als Hausfrau und das beobachtete Szenario trug auch nicht gerade dazu bei, eine solche Vorstellung von mir zu bekommen. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert.

Und auch wenn es nie meine Passion werden wird, so wagte ich mich gestern erneut an die Kocherei und fabrizierte etwas, was so einigermaßen als Käsespätzle durchgehen könnte. In meinem Rezept kam Sahne in nicht unerheblichen Mengen vor, weswegen es wohl kaum als richtige Käsespätzle zählen dürfte. Zusammen mit den nicht unerheblichen Mengen Gouda und Emmentaler aber durchaus lecker, äußerst sättigend und man hat sicher länger davon, da die Kombination recht anhänglich auf den Hüften sein dürfte. Ob das jetzt so viel gesünderes und besseres Essen ist als meine Chemie-Tüten? Ich habe starke Zweifel daran. ;)

Ein Kommentar:

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