Der Krieg ist noch nicht ganz vorbei

Bomben explodieren immer noch in unserem Land – wenn auch etwas kontrollierter als noch vor 70 Jahren. Erst gestern ging eine Viersen hoch. Fünf Zentner amerikanischer Demokratieentschlossenheit fand ein Bagger in einer Baustelle nahe der Fußgängerzone. Dummerweise war der Koloss gerutscht und somit für alle völlig unberechenbar geworden. Laut Zeitungsinformationen kann das den Zünder auslösen, der dann irgendwann die Bombe sprengt. Die Zeitspanne hierfür liegt zwischen 30 Minuten und 144 Stunden. Das muss man erst einmal schlucken.

Häuser wurden bis 500 m um die Bombe herum geräumt, Straßen bis 1 km um die Bombe herum abgesperrt, während Helfer Sand und Strohballen auf die Bombe kippten, um schlimmste Schäden zu vermeiden. Wobei mir ja nicht ganz klar ist, warum man einen explodierenden Gegenstand mit Strohballen abdeckt. Aber gut, die Leute werden schon wissen, was sie da tun. Um kurz nach 23 Uhr wurde dann die erfolgreiche Sprengung gemeldet. Größere Schäden wie neulich in München gab es wohl nicht, aber natürlich sind die umliegenden Häuser stark in Mitleidenschaft gezogen. Das war zu erwarten, dafür wurde diese Bombe schließlich mal gebaut. Hier ist sie mitten in der Innenstadt gesprengt worden, einen Steinwurf weit von der Fußgängerzone entfernt. Glücklicherweise sind keine Personen zu Schaden gekommen.

RP: Bombe reißt Krater in Viersens Innenstadt

Das alles fände ich vermutlich gar nicht weiter erwähnenswert, wenn nicht meine Tochter im Evakuierungsbereich wohnen würde. Die musste gestern ihre Wohnung räumen, die Katze zurücklassen, da keine Zeit mehr war, bei ihrem Vater übernachten und heute Morgen zu spät zur Arbeit kommen. Als sie mit dem Bus durch Viersen fuhr, fiel ihr auf, dass die Luft voller Staub und Dreck war, es außerdem komisch riechen würde. Vermutlich hat meine Tochter einen minimalen Eindruck davon bekommen, wie es wohl im Krieg nach Bombennächten gewesen sein muss. Immerhin war es hier nur eine Bombe und die kam nicht überraschend. Trotzdem bedrückend irgendwie.

Ich finde es manchmal überwältigend unglaublich, wieviele Bomben noch im Boden schlummern. Ebenso erstaunlich finde ich, wie selten etwas passiert wegen dieser Bomben. Rund 100.000 sollen noch im Boden sein. 5500 Stück werden jährlich entschärft, behauptet der Stern. Puh.

Ein Kommentar:

  1. Dem kann ich mich nur anschließen. Unglaublich … ? … ? … das zweite Wort dazu find ich gar nicht. Beängstigend? Beeindruckend? Nein, das triffts nicht. Es ist für unsere Generation auch so unfassbar im eigentlichen Wortsinn. Und so irgendwe unwirklich, sich vorzustellen, dass da noch so unzählig viele Bomben unzerstört im Boden liegen. Ein Glück, dass nicht jeder Bagger nebst Baustelle in die Luft fliegt, der so ein Ding freilegt.

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